Die meisten Deutsch-Apps geben dir vorgefertigte Sätze. Du lernst „Der Mann kauft ein Brot“ und stehst zwei Wochen später vor einem Brief vom Jobcenter, in dem kein einziges dieser Wörter vorkommt. LingQ dreht das um: Die App bringt dir nicht ihren Text bei, sondern deinen. Wir haben sie zehn Tage lang auf einem Testgerät mit arabischer Systemsprache durchgearbeitet – jede Funktion selbst angefasst, jeder Screenshot hier ist aus unserem eigenen Durchlauf.
Das Ergebnis vorweg: Die Importfunktion ist stark genug, dass sie den Rest der App trägt. Und die Übersetzungen haben Schwächen, die man kennen sollte, bevor man sich auf sie verlässt.
Lesen statt Karteikarten: so funktioniert es
Nach dem Einrichten landest du in einer Bibliothek mit fertigen Lektionen. Für Deutsch gibt es die „Mini Stories“ – kurze Alltagsgeschichten, die erste ist mit 52 Sekunden Audio ausgewiesen – und darüber geführte Kurse von Beginner 1 bis Intermediate 2. Jede Lektion zeigt vorab Wortzahl und Länge an, damit du nicht in einen Text läufst, der dich überfordert.

Eine Kleinigkeit, die uns positiv überrascht hat: Bei Deutsch stehen die Mini Stories nicht nur in „Standard“ bereit, sondern auch in einer bairischen Fassung. Wer in Bayern lebt und im Alltag ständig etwas anderes hört als im Kursbuch, findet hier also beides nebeneinander.
Öffnest du eine Lektion, siehst du einen ganz normalen deutschen Text – aber jedes Wort ist anklickbar und blau hinterlegt. Blau heißt: Dieses Wort kennst du noch nicht. Tippst du es an und speicherst die Bedeutung, wird es gelb. Gelb heißt: Du bist dabei, es zu lernen. Begegnest du dem Wort später in einem anderen Text wieder, erkennst du sofort an der Farbe, wo du stehst.

Das ist der ganze Trick der App, und er ist einfacher, als er klingt: Du liest weiter, statt stehenzubleiben. Kein Abbrechen, kein Wörterbuch in einem zweiten Fenster, kein Vokabelheft. Das Wort wird angetippt, verstanden, und der Satz geht weiter.
Die Übersetzung kommt auf Arabisch – mit Einschränkungen
Unser Testgerät war auf Arabisch eingestellt, und die App hat das übernommen: Antippen von „eins“ liefert واحد, dazu ein Lautsprechersymbol für die Aussprache und Verweise auf Google Translate sowie die Verbtabellen von Reverso. Man muss also nicht über Englisch gehen, was für viele Leserinnen und Leser den Unterschied macht.

Es gibt noch einen zweiten Modus. „View Sentence“ zerlegt den aktuellen Satz in eine Liste: links jedes deutsche Wort, darunter die arabische Entsprechung, daneben ein Lautsprecher für das einzelne Wort und ein Häkchen, mit dem du es als bekannt abhakst. Für Anfänger ist das die verständlichere Ansicht, weil man den Satzbau sieht und nicht nur einzelne Vokabeln.

Und genau da liegt die Schwäche. In unserem Satz „Markus ist Koch in einem Restaurant“ übersetzt die App „Einem“ mit مطعم – also mit „Restaurant“, genau wie das Wort „Restaurant“ selbst. Ein unbestimmter Artikel wird zu einem Substantiv. Dazu schreibt die Liste jedes Wort groß: „Ist“, „In“, „Einem“. Wer nach deutscher Rechtschreibung lernt, bekommt hier das falsche Bild.
Das ist kein Grund, die App wegzulegen, aber ein Grund, die Wort-für-Wort-Liste als Orientierung zu lesen und nicht als Wahrheit. Bei Inhaltswörtern – Substantive, Verben, Adjektive – lag sie in unseren Durchgängen richtig. Bei Artikeln und Funktionswörtern verrutscht die Zuordnung.
Der eigentliche Grund für diese App: dein eigener Text
Bis hierhin ist LingQ eine solide Lese-App. Was sie von allem anderen abhebt, steckt hinter dem Plus-Symbol in der unteren Leiste. Dort bietet sie vier Wege an, eigene Inhalte hineinzuholen: über eine URL, als reinen Text, als Datei – und per Kamera.

Wir haben es mit dem getestet, was in diesem Land tatsächlich auf dem Küchentisch liegt: einem Behördensatz. „Sehr geehrte Damen und Herren, bitte reichen Sie die fehlenden Unterlagen ein.“ Eingefügt, Titel vergeben, importiert. Nach wenigen Sekunden meldete die App „Import Successful!“ – und der Brief war eine vollwertige Lektion, jedes Wort blau und antippbar, sogar mit einem automatisch erzeugten Titelbild.

Damit erklärt sich auch, warum die App die Kameraberechtigung verlangt. „Scan to Import“ heißt: Brief abfotografieren, Text herausziehen, lesen. Ein Schreiben vom Amt, ein Mietvertrag, ein Beipackzettel, der Elternbrief aus der Schule – all das lässt sich in einen Text verwandeln, in dem man jedes unbekannte Wort antippen kann, statt es einzeln abzutippen.
Das ist der Punkt, an dem die App aufhört, Lernstoff zu sein, und anfängt, Werkzeug zu sein. Man übt nicht mehr für einen späteren Ernstfall – man arbeitet am Ernstfall selbst und lernt dabei.
Welche Sprachen zur Auswahl stehen
Wir haben die Liste beim Einrichten komplett durchgezählt: 53 Lernsprachen, dazu ein Eintrag „More“. Deutsch ist dabei, ebenso Arabisch, Türkisch, Persisch, Russisch und Ukrainisch. Kurdisch haben wir nicht gefunden. Wer also aus der Ukraine kommt und Deutsch lernen will, findet seine Ausgangssprache in der Liste.
Was stört
Der Fehler bei „Einem“ ist kein Einzelfall, sondern der Punkt, an dem man aufpassen muss: Die App liefert Bedeutungen schnell, aber nicht immer die richtige. Wer den Satzbau aus dieser Liste ableitet, lernt an manchen Stellen etwas Falsches.
Auf einem Gerät mit arabischer Systemsprache hat die App sichtbare Probleme mit der Leserichtung. Sätze zerfallen: Aus einem Aufzählungspunkt wurde bei uns „every day الألمانية Feel confident using“. Satzzeichen rutschen an den Zeilenanfang, sodass ein Hinweis als „?you like to update your timezone“ dasteht. Die Schaltfläche für die Reverso-Verbtabellen ragte im Wortfenster über den linken Rand hinaus.
Am deutlichsten wird es bei der Grafik, die deinen künftigen Lernerfolg zeigen soll: Dort steht „After 12 months“ links und „Today“ rechts, während der Pfeil weiter nach rechts zeigt. Die Kurve liest sich damit rückwärts – als würde man im Laufe des Jahres schlechter werden. Hinzu kommt, dass dieses Diagramm weder Achsenwerte noch eine Quelle hat. Es ist Werbung im Gewand einer Statistik.

Dazu kommen gemischte Ziffern – „٢٠ min/day“ mitten im englischen Satz – und ein Hinweis zur Zeitzone, der sich am oberen Bildschirmrand festsetzt. Nichts davon macht die App unbenutzbar. Aber es wirkt, als hätte niemand sie je auf einem arabisch eingestellten Telefon geöffnet.
Ein handfesteres Hindernis: Die Installationsdatei ist 77 MB groß und die App verlangt mindestens Android 12L. Auf einem älteren oder günstigen Gerät lässt sie sich schlicht nicht installieren – das sollte man wissen, bevor man anfängt.
Konto, Werbung und Daten
Ohne Konto kommst du nicht an die Inhalte. Möglich sind E-Mail, Google und Facebook. Direkt nach der Anmeldung erscheint ein Bildschirm mit genau einer Schaltfläche – „Try For Free“ – und ohne sichtbare Möglichkeit, ihn zu schließen. Wer die App an dieser Stelle beendet und neu startet, landet allerdings in der Bibliothek und kann loslegen. Die Wand wirkt zwingend, ist es aber nicht.

Werbung haben wir in der gesamten Sitzung nicht ein einziges Mal gesehen. Die App finanziert sich über ein Abo, nicht über Anzeigen – ein spürbarer Unterschied zu vielen kostenlosen Lern-Apps, die den Lesefluss alle paar Minuten unterbrechen.
Bei den Berechtigungen fällt auf, dass die App neben Kamera und Mikrofon auch die Werbe-ID und mehrere Android-Advertising-Dienste anfordert. Im Play-Store gibt der Anbieter zugleich an, keine Daten an Dritte weiterzugeben; erhoben werden demnach Standort, personenbezogene Daten und drei weitere Kategorien. Beides steht nebeneinander – wer darauf Wert legt, sollte die Datenschutzangaben vor der Installation selbst lesen.
Für wen sich das lohnt
LingQ passt zu dir, wenn du schon ein Grundgerüst im Deutschen hast und daran scheiterst, echte Texte zu lesen – Briefe, Nachrichten, Anleitungen. Der Import macht genau diese Texte zum Lernstoff, und das kann keine App mit festem Vokabelpaket leisten.
Wenn du dagegen bei null anfängst und erst einmal Struktur brauchst – Alphabet, erste Sätze, klare Reihenfolge – wirst du hier eher allein gelassen. Und wer sich auf die Wort-für-Wort-Übersetzung verlassen will, muss mit den beschriebenen Fehlern bei Artikeln rechnen.
Häufige Fragen
Kann ich einen Brief vom Amt in die App laden?
Ja. Wir haben einen Behördensatz als Text eingefügt, und er wurde zu einer normalen Lektion mit antippbaren Wörtern. Zusätzlich bietet die App „Scan to Import“ an, um einen gedruckten Brief mit der Kamera zu erfassen.
Erscheinen die Übersetzungen auf Arabisch?
Ja, wenn das Gerät auf Arabisch eingestellt ist. In unserem Test lieferte ein Antippen von „eins“ die Bedeutung واحد samt Aussprache. Bei Artikeln und kurzen Funktionswörtern ist die Zuordnung allerdings nicht immer korrekt.
Zeigt die App Werbung?
In unserer gesamten Testsitzung ist keine einzige Anzeige erschienen. Die App arbeitet mit einem kostenpflichtigen Abo statt mit Werbung.
Welches Android brauche ich?
Mindestens Android 12L. Die Installationsdatei ist rund 77 MB groß. Auf älteren Geräten lässt sich die App nicht einrichten.
Was wir nicht geprüft haben
Wir haben den Abo-Bildschirm nicht geöffnet und nennen deshalb bewusst keine Preise – die Zahlen im Store ändern sich je nach Land und Aktion, und wir schreiben nichts auf, was wir nicht selbst gesehen haben. Ebenso offen bleibt, wie viele Wörter die Gratis-Stufe genau zulässt. Auch die im Play-Store beworbenen Tutorensitzungen und Korrekturen durch Muttersprachler haben wir nicht ausprobiert.
بالعربية: تعلّم الألمانية من نصوصك أنت مع تطبيق LingQ
أغلب تطبيقات تعلّم الألمانية بتعطيك جُملاً جاهزة. بتحفظ „الرجل يشتري خبزاً“، وبعد أسبوعين بتوقف قدّام رسالة من الجوب سنتر ما فيها ولا كلمة من الي حفظتها. تطبيق LingQ بيقلب المعادلة: بدل ما يعلّمك نصّه هو، بيعلّمك نصّك أنت. جرّبناه على جهاز لغته عربية، وكل صورة هون من تجربتنا نحنا.
الفكرة الأساسية
بتفتح نصاً ألمانياً عادياً، وكل كلمة فيه قابلة للنقر. الكلمة الزرقاء يعني ما بتعرفها بعد؛ لما تنقرها وتحفظ معناها بتصير صفراء، يعني صرت بطور تعلّمها. وهيك لما تلاقيها بنصّ ثاني بتعرف من لونها وين صرت. الفايدة الحقيقية إنك بتكمّل قراءة بدل ما توقف كل كلمة وتفتح قاموس.
والترجمة بتطلع بالعربي مباشرة. نقرنا كلمة „eins“ فطلعت „واحد“ مع أيقونة نطق وروابط لجوجل ترانسليت وجداول تصريف الأفعال من Reverso. يعني ما في حاجة تمرّ عبر الإنجليزية.
الميزة الي بتفرق فعلاً
تحت علامة الزائد في الشريط السفلي في أربع طرق تدخل فيها محتواك الخاص: رابط، نص، ملف، وكاميرا. جرّبنا نلصق جملة من رسالة رسمية ألمانية، وبثوانٍ صارت درساً كاملاً كل كلمة فيه قابلة للنقر. وخيار المسح الضوئي بيعني إنك تقدر تصوّر الرسالة المطبوعة وتقراها كلمة كلمة بدل ما تكتبها بإيدك.
هون التطبيق بيتحوّل من مادة دراسية إلى أداة شغل: ما عدت تتدرّب لموقف جاي، صرت تشتغل على الموقف نفسه وتتعلّم منه. عقد إيجار، ورقة من المدرسة، نشرة دواء، رسالة من دائرة، كلها بتصير دروس.
ما يزعج فيه
على جهاز بلغة عربية، اتجاه الكتابة بيخرّب شغلات كثيرة. جُمل بتتفكّك، وعلامات الترقيم بتنطّ لأول السطر. وأوضح مثال رسم بياني بيدّعي يوريك تقدّمك: كُتب عليه „After 12 months“ على اليسار و“Today“ على اليمين والسهم مأشّر لليمين، فالمنحنى بينقرأ بالمقلوب. وما فيه أي أرقام ولا مصدر. يعني إعلان بلبس إحصائية.
وبوضع الجملة لقينا خطأ ترجمة واضح: كلمة „Einem“ ترجمها التطبيق إلى „مطعم“، نفس ترجمة كلمة „Restaurant“، مع إنها أداة نكرة. فخُذ الترجمة كلمة بكلمة كدليل تقريبي، مو كمرجع نهائي.
وفي عائق عملي: التطبيق بدّه أندرويد 12L على الأقل وحجمه 77 ميجابايت، يعني على جهاز قديم أو رخيص ما رح ينثبت أصلاً.
الحساب والإعلانات
التسجيل إلزامي، إما بإيميل أو جوجل أو فيسبوك. وبعد التسجيل بتطلع شاشة فيها زر واحد بس مكتوب عليه „Try For Free“ وبدون زر إغلاق ظاهر؛ بس إذا سكّرت التطبيق وفتحته من جديد بتلاقي المكتبة مفتوحة قدّامك. وطول الجلسة كلها ما ظهر ولا إعلان واحد، لأن التطبيق بيعتمد على الاشتراك مو على الإعلانات.
ما فتحنا شاشة الأسعار، فما رح نذكر أي رقم ما شفناه بعينّا.
لمين بينفع
بينفعك إذا عندك أساس بالألمانية وبتتعثّر بالنصوص الحقيقية. أما إذا لسا ببداية الطريق وبتحتاج ترتيب وتسلسل من الصفر، فالتطبيق رح يسيبك لحالك شوي. و53 لغة متاحة للتعلّم، منها العربية والتركية والفارسية والروسية والأوكرانية.
